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Zwischen Zeitdruck und Zaubermomenten: Warum Kindergartenfotografie echte Herzensarbeit ist
5.Juli 2026
Ein strahlendes Lachen, ein nachdenklicher Blick oder das typische, verschmitzte Gesicht, das Eltern so gut kennen: Wenn Familien die Bilder ihrer Kinder aus der Kita in den Händen halten, wünschen sie sich vor allem eines – Authentizität. Die Fotos sollen echt sein, ungestellt und lebendig. Was viele dabei gar nicht sehen, ist der unsichtbare Spagat, der hinter diesen Aufnahmen steckt. Denn Kindergartenfotografie ist ein echter Knochenjob, der nicht nur viel Engagment, sonder auch viel Feingefühl erfordert.
Ein extrem enges Zeitfenster
Die Realität am Shooting-Tag sieht meistens so aus: Ein großer Kindergarten, rund 50 bis 100 Kinder und ein straff durchgetakteter Zeitplan. Das Knifflige daran: Das eigentliche Zeitfenster für die Aufnahmen ist extrem kurz. Das beste Licht und die beste Laune der Kitakinder hat man meistens nur zwischen 9 Uhr und maximal 12 Uhr an einem Vormittag. Rechnet man das hoch, schafft man in dieser Kernzeit gerade einmal 20 bis 30 Kinder. Heruntergebrochen bedeutet das oft gerade einmal 5 Minuten Zeit pro Kind. In diesen fünf Minuten soll aber kein Fließband-Foto entstehen. Mein Anspruch an mich selbst ist es, in dieser kurzen Zeit eine Vielfalt an Bildern zu schaffen – verschiedene Perspektiven, unterschiedliche Gesichtsausdrücke, einfach ein ehrliches Abbild des Kindes. Aber wie bringt man ein Kind, das einen vielleicht noch nie gesehen hat, innerhalb von wenigen Minuten dazu, sich vor einer großen Kamera zu öffnen? Hier bin ich als Fotografin gefragt, als Small-Talkerin, als Animateurin, als Erzählerin oder auch als Zuhörerin…. Und ganz nebenbei wird entstehen die Bilder.
Der unsichtbare Druck im Hintergrund
Die Erwartungshaltung bei der Kitafotografie ist hoch. Eltern wünschen sich perfekte Ergebnisse. Dieser Erwartungsdruck liegt oft spürbar auf den Schultern der Erzieherinnen und Erzieher, die an solchen Tagen ebenfalls alle Hände voll zu tun haben. Manchmal überträgt sich diese Anspannung ganz unbewusst auch auf die Kinder. Wenn ein Kind dann vor meiner Kamera steht, spüre ich das sofort. Da ist oft der feste Vorsatz: „Ich muss jetzt ganz lieb sein und ganz toll lächeln.“ Das Ergebnis ist dann meist ein künstliches, angestrengtes „Cheese-Gesicht“. Und genau dieses möchte ich vermeiden oder umwandeln in das echte Lächeln.
Nachmittags-Spagat: Wenn die Familie dazukommt
Und der Tag endet ja oft nicht, wenn die Kitagruppen durch sind. Nachmittags geht es meistens direkt weiter mit den Geschwisterfotos. Hier kommen dann auch externe Geschwisterkinder dazu und die Eltern sind mit dabei. Die Herausforderung verdoppelt sich: Die Zeit bleibt extrem knapp, die Erwartungen an ganz besondere, harmonische Familien- und Geschwisterbilder sind riesig, und alle Beteiligten haben oft schon einen langen Tag hinter sich.
„Du musst gar nichts – wir machen einfach nur schöne Fotos“
Genau hier beginnt der anspruchsvollste, aber auch schönste Teil meiner Arbeit. Meine wichtigste Aufgabe – egal ob vormittags bei den Einzelporträts oder nachmittags beim Geschwistertrubel – ist es nicht, die Technik zu bedienen, sondern für das Kind den Druck herauszunehmen. Ich halte kurz inne, schaue den Kindern auf Augenhöhe ins Gesicht und signalisiere ihnen: „Hey, hier ist alles gut. Du musst hier überhaupt kein perfektes Model sein. Wir quatschen einfach ein bisschen, machen ein paar schöne Fotos und du darfst ganz genau so sein, wie du heute bist.“ Kein künstliches Lächeln, kein Zwang.
Die Magie der echten Momente
Es ist jedes Mal wieder ein kleines Wunder, wenn dieses Eis bricht. Wenn die Kinder merken, dass sie einfach sie selbst sein dürfen, lässt die Anspannung nach. Sie werden offen, neugierig und schenken mir ihr echtes, unbeschwertes Lächeln – oder eben diesen einen, wunderbar tiefen, authentischen Blick. Wenn nach diesem kurzen, intensiven Moment Bilder entstehen, die genau diese Natürlichkeit einfangen, macht mich das glücklich. Es zeigt mir immer wieder: Es geht in der Kindergartenfotografie nicht um perfekte Kulissen oder starre Posen. Es geht um echte Verbindung, Vertrauen in Rekordzeit und die Freude darüber, wenn Kinder sich auf dieses kleine Abenteuer einlassen.
P.S.: Ein kleiner sportlicher Nachtrag... 😉
Wer braucht schon ein Fitnessstudio, wenn er Kindergartenfotografie macht? Sagen wir es, wie es ist: Das ist verdammt guter Leistungssport! Ich verbringe den lieben langen Tag damit, mit zwei schweren Kameras um den Hals in die Kniebeuge zu gehen – und das Ganze bitte elegant wieder hoch, ohne die Hände zur Hilfe zu nehmen (denn die müssen ja für die Ausrüstung sauber bleiben!). Mein tägliches Workout bekomme ich bei solchen Terminen also völlig gratis dazu. ❤️
*

Foto: Heiko Lissy
Die Kunst, sich selbst im Weg zu stehen
(und warum mein innerer Kritiker ein Miesepeter ist)
10.Juni 2026
Heute möchte ich mal kurz die Kamera beiseitelegen und über etwas sprechen, das auf den perfekt kuratierten Instagram-Feeds und Portfolio-Seiten meistens elegant weichgezeichnet wird: Zweifel.
Anfang des Jahres habe ich den Sprung gewagt und mich als Fotografin selbstständig gemacht. Ein Traum! Und das Verrückte ist? Mein Kalender ist voll, ich darf fantastische Menschen begleiten und die Rückmeldungen meiner Kunden sind so herzlich, dass ich manchmal ein kleines Tränchen verdrücken muss.
„Verena, die Bilder sind so wunderbar!“, höre ich dann.
Und was macht mein Gehirn nachts um drei daraus? „Puh, da hatten sie bestimmt nur gute Laune. Haben die eigentlich richtig hingeguckt? Spätestens beim nächsten Shooting fliegst du auf, Freundchen.“
Kennst du das? Willkommen im Club der „erfolgreichen Hochstapler“.
Die Sache mit dem Perfektionsdrang
Wenn ich ehrlich bin, läuft das mit der Bildbearbeitung bei mir manchmal so ab: Ich öffne eine wunderschöne, lebendige Reportage. Das Licht ist magisch, der Moment absolut echt und ungestellt – genau so, wie ich es liebe. Ein Bild, das eigentlich schon eine ganze Geschichte erzählt.
Und was macht mein innerer Perfektions-Monk? Er fängt an zu grübeln. „Sollte der Bildausschnitt vielleicht noch zwei Millimeter weiter links sitzen? Wirkt die Dynamik noch harmonischer, wenn ich den Hintergrund einen Hauch sanfter gestalte?“ Ich ertappe mich dabei, wie ich mit einer fast schon sportlichen Akribie an winzigen Nuancen im Hintergrund feile, die am Ende vermutlich nur mir auffallen. Ich suche nach einer Perfektion im Layout, die das Bild eigentlich gar nicht braucht, weil die echte Emotion längst im Kasten ist.
Warum Zweifel eigentlich ein gutes Zeichen sind
Ich lerne gerade, dass diese Zweifel nichts damit zu tun haben, dass ich meine Arbeit nicht kann. Im Gegenteil. Sie zeigen einfach nur, wie viel Herzblut in jedem einzelnen Klick steckt. Wer zweifelt, bleibt nicht stehen. Wer zweifelt, entwickelt sich weiter, schaut genauer hin und gibt sich nicht mit dem erstbesten Standard zufrieden. Die Zweifel sind quasi der ungemütliche Motor für mein persönliches und kreatives Wachstum. Sie zwingen mich, mutig zu sein.
Meine neue Strategie (und ein Versprechen)
Ich habe beschlossen, meinem inneren Kritiker einen festen Feierabend zu verordnen. Wenn ein Kunde mir schreibt, dass er sich auf meinen Bildern genau so sieht, wie er ist – echt, ungestellt und glücklich –, dann glaube ich dem Kunden.
Denn am Ende des Tages geht es in der Fotografie nicht um die technisch perfekten, sterilen Pixel. Es geht um das Gefühl. Und Gefühle entstehen nicht im 400%-Zoom, sondern im echten Leben.
An alle da draußen, die gerade auch an etwas Neuem basteln und sich fragen, ob sie „gut genug“ sind: Ihr seid es.
Lasst uns gemeinsam weiterzweifeln, weiterwachsen und vor allem – weitermachen!
Alles Liebe, Verena ❤️
*

2026. Und wieder selbständig.
20.Mai 2026
Zu Beginn diesen Jahres habe ich mich mit der Fotografie endgültig selbstständig gemacht. Diese Entscheidung kam nicht über Nacht, sondern war ein längerer Prozess.
Ich fotografiere seit ich denken kann. Irgendwann hatte ich begonnen, Bilder auch gegen Geld anzubieten und nicht immer nur „die Freundin mit der Kamera“ zu sein. Mein Equipment wurde immer besser. Meine Skills auch. Dennoch blieb die Frage: Aber wenn ich jetzt fotografieren MUSS, um Geld zu verdienen…. Geht das gut? Wird das reichen? Mache ich genug Werbung? Erreiche ich meine potentiellen Kunden?
Jetzt haben wir Mai und ich darf alle diese Fragen mit einem eindeutigen JA beantworten. Der Fokus meiner Kundenakquise liegt auf meinem lokalen und persönlichen Netzwerk. Meine Kunden kennen mich im besten Falle bereits oder ich wurde von einem persönlichen Kontakt empfohlen. Und hier werfe ich den nächsten Schneeball in den Ring und freue mich auf einen rasanten Flug. Langsam aber stetig entwickeln sich auf diese Weise immer mehr Kontakte zu potenziellen Kunden. Und das ist mehr als genug, denn ich muss ja auch die Kapazität haben, zu liefern. Und zwar in bester Qualität. Die erwarte ich von mir selber.
Und so lerne ich nicht nur weiter täglich mehr über die Fotografie, sondern auch erneut vieles über Selbstvermarktung, Kundenansprache, Webseitenoptimierung, Algorithmen auf Social Media und meine eigene Präsenz als Fotografin. Mein ganz persönliches starkes und jahrelang gewachsenes Netzwerk hat mich durch die ersten Monate der Selbständigkeit getragen. Und es wächst weiter. Wie ein ganz solides Fundament.
Dafür bin ich sehr dankbar. Und freue mich auf alles, was da noch kommt. Mit Euch. ❤️